Salzburg zum 110-Jahr-Jubiläum

13.07.2014

„Ihr seid das Salz der Erde“(Mat 5, 13)

So hätte das Motto der Reise lauten können. Schon vor Hunderten von Jahren bezeichnete so mancher Weltreisende Salzburg als einen der schönsten Flecken auf der Erde – was lag deshalb näher, als anlässlich des 110-Jahr-Jubiläums des Männervereins St. Josef dieser wunderbaren Stadt einen Besuch abzustatten?
Am Freitagmorgen, 16. Mai 2014, traf sich die bunt gemischte Gruppe von 23 Männern und Frauen – darunter auch Präses Pfr. Jacek Jeruzalski - vor unserer Kirche, um mit dem Brandenberger-Car aufzubrechen. Als schöne Überraschung erwartete uns ein liebevoll von Mitgliedern des Frauenvereins zusammengestellter und persönlich überbrachter Reiseproviant. Nach der Begrüssung durch den Präsidenten Pius Bürgi fuhren wir mit diesem reichen Segen wohlversorgt gegen Osten.
Wo liegt eigentlich Salzburg? Salzburg liegt am Südostzipfel Deutschlands. Natürlich liegt Salzburg nicht in Deutschland, sondern gehört zu Österreich. Dies war jedoch nicht immer so. Lange Zeit war Salzburg ein Teil Bayerns; die bayerischen Herzöge nutzten Salzburg im 8. Jahrhundert sogar als ihren Herrschersitz.
Allein schon die geographische Lage verleiht Salzburg eine Sonderstellung: Salzburg liegt in einer kleinen Mulde zwischen zwei grün bewaldeten Bergen. Von diesen beiden Hausbergen, dem Kapuzinerberg und dem Mönchsberg hat man traumhafte Blicke auf die gesamte Stadt – aber halt! – auch dies wussten beim Aufbruch noch nicht alle. Unser Organisator und Leiter der Reise, Ehrenpräsident Noldi Pfeifer, hatte einen überaus breit gefächerten Salzburg-Wettbewerb für alle vorbereitet. Bei der mit Spannung erwarteten Auflösung erfuhren wir so manches Interessante und Kuriose über diese Stadt, angefangen bei den Salzburger Nockerln über den Fluss Salzach bis hin zu den Stierwaschern. Letzteres ist ein Spitzname für die Salzburger, was mit einer sehr lustigen Geschichte verbunden ist, die Ihnen sicher jeder der Teilnehmenden mit Vergnügen erzählen wird. Hätten Sie darüber hinaus gewusst, dass Salzburg österreichischer Fussballmeister der Saison 2013/14 ist? In dieser Hinsicht ist diese Stadt nicht mit Winterthur zu vergleichen, aber sie hat ja auch mehr Einwohner, nämlich fast 150'000.
Mit etwas weiterem Typischen für Salzburg sollten wir leider während dieser Reise Bekanntschaft machen: mit dem Schnürl-Regen. Das nass-kühle Wetter über fast alle Reisetage führte dazu, dass es nicht zur geplanten Fiaker-Altstadt-Besichtigung kam. Stattdessen fuhren wir mit der 196 Meter langen Standseilbahn 102 Meter in die Höhe (bei einer mittleren Steigung von 60%!) zum Wahrzeichen der Stadt, zur Festung Hohensalzburg. Die kurze Fahrt von weniger als einer Minute auf der ältesten Standseilbahn Österreichs war so eindrücklich wie die darauffolgende Aussicht auf die Stadt.
Die Gründung der Festung war durch Erzbischof Gebhard im Jahre 1077 erfolgt – seit 739 war Salzburg eine Diözese Bayerns. Salzburg blieb übrigens unter kirchlicher Herrschaft, bis Napoleons Truppen gegen Ende des 18. Jahrhunderts einmarschierten. Erst im Jahre 1806 wurde Salzburg erstmals österreichisch. Im Goldenen Saal der Hohensalzburg werden noch heute Konzerte veranstaltet, und im Kerzenschein schimmern die mit Gold besetzten Kacheln an der Decke bestimmt wie Sterne am Nachthimmel.
Als eines der markantesten Daten in der Geschichte Salzburgs gilt der 27. Januar 1756; an jenem Tag wurde der berühmteste Sohn der Stadt in der Getreidegasse geboren: Wolfgang Amadeus Mozart. Sein Geburtshaus ist heute noch zu besichtigen. Beim gemeinsamen Nachtessen später im Stieglkeller konnten sich dann alle nach dem Altstadtrundgang wieder etwas aufwärmen.

Das Weisse Gold

Die Geschichte Salzburgs geht jedoch noch viel weiter zurück. Die ganze Gegend rund um Salzburg - vor allem östlich - heisst „Salzkammergut“. Diese Gegend wurde wegen des wertvollen Rohstoffes schon sehr früh besiedelt. Das dort abgebaute Salz – das Weisse Gold - wurde auf der Salzach flussabwärts transportiert. Eine erste Blütezeit des Salzabbaus im Salzkammergut fällt in die Zeit um ca. 500 v. Chr. unter den Kelten. Die Salzburger Gegend war aber bereits in der Steinzeit besiedelt.
So fuhr uns der Car am Samstag nach Hallein zum Salzbergwerk Dürrnberg, einem der ältesten Salzbergwerke der Welt. Im weissen „Übergwändli“ und nach dem traditionellen Genuss von Brot mit Salz und Schnaps („Glück auf!“ statt „Prosit!“) fuhren wir mit der Grubenbahn in den Stollen! Bei der informativen Führung unter Tag erlebten wir u. a. sogar eine stimmungsvolle Flossfahrt auf einem unterirdischen Salzsee. Zu Fuss und über spektakuläre und lustige Holzrutschen-Fahrten erreichten wir bis zu 210 Meter unter dem Boden (der tiefste Punkt des Bergwerks liegt sogar 590 Meter unter der Erde). Weil der grösste Teil des Salzbergwerks in Bayern liegt, überschritten wir ausserdem die Landesgrenze Österreichs nach Deutschland. Mit dem virtuell anwesenden Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau (Erzbischof von Salzburg 1587-1612) - der mit seiner Lebensgefährtin Salome 15 Kinder hatte - und seinem getreuen Diener Jakob, wurde für uns der Salzabbau lebendig. Bereits ab dem 12. Jahrhundert war der Abbau mittels Ausschwemmen entwickelt worden; er brachte schliesslich eine Sole mit einem maximalen Salzgehalt von 26%. Im Jahre 1542 wurden in Hallein jährlich 22'000 Tonnen Salz produziert; unter Fürsterzbischof Wolf Dietrich wurde diese Produktion noch auf 36'000 Tonnen gesteigert. Dessen geschickte Preispolitik und das Salzmonopol führten vor dem Salzkrieg (1617) zu grossem Reichtum für Salzburg.
Nach der eindrücklichen Führung nahmen alle gerne ein wenig Halleiner Salz für Zuhause mit. Unser Interesse war nun endgültig geweckt, sodass wir auch nach dem guten Mittagessen ganz Ohr der überaus lebendig gestalteten Führung durch das Keltenmuseum von Hallein folgten. Es ist eines der grössten Museen Europas für keltische Geschichte (5.-1. Jh. v. Chr.) und verwahrt alle seit 1949 gehobenen Grabfunde am Dürrnberg. Das Prunkstück der Ausstellung ist die Grabausstattung eines keltischen Stammesführers, und besonders sehenswert ist die berühmte Schnabelkanne vom Dürrnberg.

Nichts ist nützlicher als Salz und Sonne (Isidor von Sevilla)

Am Sonntag wurden schon wieder die Koffer gepackt, und vor unserem Hotel Star Inn trafen sich alle für die geplante Wallfahrt nach Maria Plain. Diese wurde nicht so sehr für uns, dafür aber für unseren sympathischen Chauffeur Luis schweiss- und damit salztreibend. Die Strasse war nämlich sehr schmal und auch für den Gegenverkehr eine Herausforderung. Zudem trugen alle entgegenkommenden Fahrzeuge das Kennzeichen HA, damit schienen sie uns fast auslachen zu wollen: HA, HA, HA...
Wir applaudierten erleichtert für Luis’ Fahrkünste und legten die letzten steilen Meter noch zu Fuss zurück, um in der übervollen Basilika doch noch den Gottesdienst mitzufeiern. Es zeigte sich uns endlich dauerhaft die freundlich lachende Sonne, auf die wir die letzten zwei Tage gewartet hatten, und die Aussicht ins Land war einfach wunderbar.
Als Abschluss vor der Heimfahrt genossen wir das Mittagessen im für uns reservierten Stüberl des Gasthofes Maria Plain. Während allen Fahrten im Car durften wir jeweils vom perfekten Kaffee-Service unseres Barista Vito und seiner Helfer profitieren. Kurz vor Winterthur brachte unser Präsident Pius Bürgi dann in seinem Schlusswort die Reise auf den Punkt: „War auch oft das Wetter schlecht, so doch die Stimmung immer gut“. Die Jubiläumsreise gab viel Schönes und Interessantes zu sehen und zu erleben, aber sie bot auch Zeit und Gelegenheit, um einander im Gespräch zu begegnen. Ein herzlicher Dank geht an Noldi Pfeifer für die gute Organisation, und dem Männerverein wünschen wir für die kommenden Jahrzehnte mit dem Bergmanns-Spruch: „Glück auf!“ eine salzige und sonnige Zukunft!

Daniela Stadelmann-Pellicioli

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